Anti-Design

Anti-Design war eine 1966 von Italien ausgehende bis 1980 andauernde Bewegung unter Führung von Ettore Sottsass. Die Bewegung stellte sich gegen die Unpersönlichkeit industriell gefertigter Konsumgüter sowie gegen die jahrelang etablierte Doktrin des form follows function. Es ging zum einen um das kulturelle Potential von Design als auch darum, dass die Designobjekte den Intellekt provozieren und die Wahrnehmungsfähigkeit der Benutzer herausfordern sollten. Die Konsumenten sollten über die Objekte nachdenken, die sie kauften. Dies wurde mit Mitteln der Ironie, des Kitsches und falscher Proportionen erreicht, zudem wurden grelle, leuchtende Farben und Verzierungen verwendet. In den 80ern ging Anti-Design in den Postmodernismus sowie die Memphis-Bewegung über. Bis dahin sorgten Künstler wie Piero Gilardi, Enzo Mari, Gianfranco Frettino und Vico Magistretti für ikonische Entwürfe wie Magistrettis Selene Stuhl, der der erste stapelbare Plastikstuhl war. Es war den Künstlern zudem wichtig, das Design nicht bei sich enden zu lassen, sondern auch dem Käufer Verantwortung und Möglichkeiten zu übertragen. Dies war zum Beispiel bei Frettinos flexibler Boalum Lampe sowie bei Maris umdrehbarer Vase der Fall.

(Foto: Elena Schröder)