Weltweit Wohnen – Inspiration für Design-Globetrotter

Das Beste am Reisen durch internationale Wohnwelten? Man kann es bequem vom Sofa aus machen und pickt sich in aller Ruhe das heraus, was am besten gefällt. Heute nehmen wir dich mit ins asketische Japan, in die raue Industriewelt New Yorks und ans liebliche Mittelmeer.

Schnickschnack? Braucht niemand

Starten wir in Japan, wo das Wabi-Sabi-Konzept die Ästhetik des Unperfekten feiert. Es entwickelte sich bereits vor über tausend Jahren im Kontext der Zen-Religion. Wörtlich übersetzt steht wabi für “traurig”, “allein”,“verlassen”, während sabi “alt sein” oder “Patina zeigen” bedeutet. Klingt auf den ersten Blick vielleicht wenig attraktiv, doch geht es im Kern darum, die Schönheit gerade in den einfachen, oft über Generationen hinweg benutzten Dingen zu entdecken und wertzuschätzen.

An die Wand gelehnte Bilder und einige leere Regalfächer unterstützen das Unperfekte.

Entsprechend gibt sich eine nach Wabi-Sabi gestaltete Wohnung am liebsten unperfekt-puristisch. Die Möbel sind minimalistisch und klar in der Form, helle Farben dominieren. Der Einsatz von ausgesuchten und liebgewonnenen Erinnerungsstücken ist ausdrücklich erwünscht – konsum- und trendorientierter “Schnickschnack” ist es nicht.

Natürlich gilt hier wie auch sonst: Schön ist, was gefällt. Auch die meisten Japaner fühlen sich in einem nahezu leeren, weißen Zimmer selten so richtig wohl – das ist im modernen Wabi-Sabi aber auch kein Problem. Gedeckte Farbtöne sowie Accessoires in Naturmaterialien und wertige Stoffe können nach eigenem Gusto hinzugefügt werden und schaffen damit das nötige Maß an Wohnlichkeit. Der Japanordic Trend ist übrigens eine moderne Weiterentwicklung des Wabi-Sabi – hier trifft dänisches Hygge auf asiatischen Minimalismus.

Unkaputtbar, roh und rostig

Und schon geht’s weiter in eine ganz andere Welt: unverkleidet, unlackiert, oft sogar unrenoviert … Der typische Industrial Look amerikanischer Fabriklofts ist ein Klassiker unter den modernen Einrichtungsstilen. Aber was genau macht den New Yorker Look aus?

Als im 19. Jahrhundert die Industrialisierung in den USA volle Fahrt aufnahm und neue Fabrikhallen aus dem Boden gestampft wurden, hatten Einrichtungsgegenstände vor allem zwei Anforderungen zu erfüllen: Sie mussten funktional und belastbar sein. So kamen die typischen groben Holzmöbel und Stahl-Lampen auf. Wie belastbar sie sind, zeigt sich bis heute, denn viele Vintage Modelle tun noch immer ihren Dienst.

Es ist das Unvollkommene und Rohe, das den Industriestil auszeichnet. Umfunktionierte Möbel mit authentischen Macken geben der Einrichtung den perfekten “Shabby Look”. Metall trägt stolz seine rostigen Stellen und gesellt sich zu unbearbeitetem Holz (gern in Form von Paletten und Holzkisten) und groben Textilien. Auch Leder wird oft eingesetzt – ob als Couch- oder Hockerbezug. Unverkleidete Glühbirnen und die ein oder andere Stehlampe rücken das Ganze ins rechte Licht.

Was Wabi-Sabi und Industrial eint: je mehr Gebrauchsspuren, desto schöner.

Meer Marmor!

Wenden wir uns damit ab vom Rauen und Rohen und hin zum Verspielten. Im gesamten Mittelmeerraum ist es zu finden: in kunstvollen Reliefs, schmiedeeisernen Verzierungen und detailreichen Mosaiken. Es steht quasi stellvertretend für den letzten Sommerurlaub und wer “die schönste Zeit des Jahres” dauerhaft konservieren möchte, der richtet sich im mediterranen Stil ein.

Die südländische Gelassenheit spiegelt sich gut in Terrakotta wider – als Tonfliesen und Vasen oder als Farbe für Wände und Kissen. Olivenbäumchen, Pinien- und Walnussholz ergänzen das südländische Spektrum. Auch andere erdige Töne wie Ocker oder Lehm sind im Zusammenspiel mit Rattan- und Korbmöbeln eine gute Wahl.
Und wer – wie die meisten von uns – ohne griechische Marmorsäulen und -büsten auskommen muss, der gönnt sich stattdessen einen oder mehrere Beistelltische mit hochwertigen Marmorplatten. Fehlen eigentlich nur noch guter Wein, leckere Oliven und anregende Gesellschaft, um das gewisse Savoir vivre auch in den eigenen vier Wänden zu genießen.

Collage mit einem Olivenbaum und blau gestrichenen Fensterläden an einer beigen Wand