Im Gespräch mit Annett Kuhlmann von Marsano Berlin

Kreativität, Teamgeist und eine ganz besondere Atmosphäre: Marsano Berlin vereint individuelle Blumenkreationen mit ausgewählten Vintage Pieces und lässt das Herz jedes Interior-Liebhabers höher schlagen.

Bei Marsano Berlin findet ihr neben einem wilden Blumenmix und tollen Pflanzen auch ganz besondere Wohnaccessoires und ausgewählte Vintage-Stücke aus aller Welt. Hinter diesem Konzept stecken Andreas Namysl, Annett Kuhlmann und Katrin Jahn, die 2006 den Mut hatten, ihre Idee zum Leben zu erwecken. Wir haben Annett zum Interview getroffen.

Mitgründerin Annett Kuhlmann beim Arrangieren von Blumen
Marsano Berlin Mitgründerin Annett Kuhlmann bei der Arbeit

Ihr habt Marsano zu dritt gegründet – wie habt ihr euch kennengelernt und wie ist die Idee für Marsano überhaupt entstanden?

Annett: Wir alle drei sind gelernte Floristen und haben vorher schon zusammen für Marsano aus Zürich gearbeitet. Nach der Insolvenz standen wir plötzlich kurz vor der Arbeitslosigkeit. Ich bin in dieser Zeit als Freelancerin nach London gegangen und habe schließlich mein Studium der Fotografie angefangen. Da lag der Gedanke natürlich nahe, mich darauf zu konzentrieren. Meine beiden jetzigen Partner haben mich jedoch am Wochenende immer wieder angerufen und versucht, mich vom Weitermachen zu überzeugen – und es letztendlich auch geschafft. Wir haben Marsano Berlin neu gegründet und alles anders gemacht!
Ehrlich gesagt war das die beste Entscheidung meines Lebens. Wenn man für gewöhnlich beschließt, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, hat man sich noch nicht in Extremsituationen kennengelernt, wie wir bereits zu Beginn der Idee, oder macht es mit einer Freundin oder so. Wir sind einfach komplett verschieden und wissen, worin der andere gut ist. Das musste nicht erst ausgekämpft werden. Natürlich haben viele an einem Dreiergespann gezweifelt, aber es gab wirklich nie eine Situation, in der Uneinigkeit zwischen uns geherrscht hat. Ok, einmal haben wir eine Abstimmung durchgeführt und ich wurde überstimmt – ich wollte die Müllkartons immer draußen stehen lassen, weil das in London so cool war, es sah so schön busy aus. Ich wurde überstimmt.

Marsano-Gründer Annett, Katrin und Andreas vor dem Blumenladen
Andreas Namysl, Annett Kuhlmann und Katrin Jahn

Eure Aufträge reichen von der Ausstattung von Hotels über die von Fashion Shows und Shootings für Werbekampagnen sowie Magazine. Was ist das Besondere an Marsano?

Annett: Das können wir selber immer schwer beschreiben. Unser Konzept ist eigentlich, dass wir kein Konzept haben. Wir lieben einfach was wir tun und ich glaube, das merkt man auch. Wir sind ein Team und jeder darf mitmachen. Vielleicht ist es genau das, was uns ausmacht.

Viel Freiheit also, in dem was ihr tut?

Annett: Genau. Wir können nicht sagen: DAS ist unser Konzept. Wir wollen einfach das Schönste und Beste, und natürlich zufriedene Kunden. Ein „Nein“ gibt es dabei selten, aber auch das kommt mal vor – so langsam schauen wir, ob das, was ein Kunde möchte, unserem Stil überhaupt entspricht. Wenn das nicht der Fall ist, ist ein „Nein“ vollkommen in Ordnung. Es soll immer 100% Marsano sein.

Ist das vor allem bei größeren Kunden so oder auch bei Privatkunden?

Annett: Bei beiden … Wenn ein Kunde in unseren Laden kommt und uns seine Vorstellungen mitteilt, dann möchten wir ihn gerne beraten und uns nichts starr diktieren lassen. Alle Marsano Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben eine tolle Ausbildung genossen und teilen gleichermaßen die Leidenschaft für Blumen. Der Einkauf bei Marsano soll ein Erlebnis sein: Wir möchten unsere Kunden inspirieren! Und gerade unsere Leidenschaft für das Produkt ist es doch, was den Mehrwert bzw. das Besondere von Marsano ausmacht.

Blumenstrauß in Blau- und Rottönen
Die Blumenkreationen von Marsano changieren zwischen aktuellen Trends und dem ganz besonderen Marsano-Stil

Gibt es einen bestimmten Stil, den Marsano verfolgt?

Annett: Nein, es ist alles ganz individuell. Es gibt einfach den Marsano-Stil: Hashtag #marsano! Als „& Other Stories“ uns letztes Jahr um eine Kooperation für den Berliner Pop-up Store gebeten hat, ist ihre Entscheidung wohl auf uns gefallen, weil wir der Blumenladen mit den meisten Hashtags waren – das war mir vorher gar nicht bewusst. Danach sind auch andere auf uns zugekommen und haben uns Flächen angeboten, weil es die Gegend wohl so bereichert hat. Natürlich war das schon schmeichelnd, aber dann hat das ganze Team gesagt: „Möchten wir nicht!“ Sie wollten nicht in ein kleines Lädchen, weil das eben nicht Marsano ist. Marsano ist genau das hier: völlig durchgeknallt und alles gleich zur Hand – und eben mitten drin in Berlin. Das Verrückte, was Marsano alles möglich macht, kann man einfach nicht in 20qm packen.

Euer Erfolgsrezept in 3 Worten?

Annett: Katrin, Andreas, Annett.

Was war bisher euer größter Erfolg? Oder gibt es ein Projekt, auf das ihr besonders stolz seid?

Annett: Das ist schwierig. Worauf ich sehr stolz bin, ist, dass wir seit 11 Jahren für die florale Ausstattung des „Hotel de Rome“ zuständig sind. Das ist solch ein hochkarätiges Hotel und wir waren damals noch so jung und neu, da ist es schon toll, dass wir die Kooperation so lange halten konnten. Aber auch andere Projekte, wie das Sommerfest von Axel Springer, bleiben natürlich in Erinnerung. Was ich an meinem Team ganz krass finde, ist, dass dieses Name-dropping nie ein Thema ist. Wichtig ist das Resultat, nicht für wen es ist. Es ist schön, dass jeder Auftrag gleich behandelt wird.

ZEIT Plakat und Sofa aus Samt mit Vintage Dekoration
Die Aufträge von Marsano reichen von der Event- und Hotel-Ausstattung bis hin zum Fotoshooting – hier für das ZEIT Magazin

Wie ergänzt ihr euch in der täglichen Arbeit? Ist jeder für einen bestimmten Aufgabenbereich zuständig?

Annett: Ja, das schon. Aber wir können nie so genau sagen, wer jetzt wirklich für welchen Aufgabenbereich verantwortlich ist. Es kommt einfach immer irgendwie hin.

Wie sieht denn euer Arbeitsalltag aus? 

Annett: Also ich beantworte sehr viele E-Mails, gehe zum Blumengroßmarkt und habe einen Tag die Woche, an dem ich Blumen machen darf.

Darf?

Annett: Ja, sonst ist leider nie Zeit dafür. Das ist immer ein bisschen schade, aber wir machen ja mittlerweile auch viele Möbelkonzepte, bei denen ich mich dann austoben kann. Von daher ist das schon okay. Katrin kümmert sich sehr viel um die sozialen Belange – Dienstpläne schreiben zum Beispiel. Wir alle haben eine Vier-Tage-Woche und legen sehr viel Wert darauf, dass wir uns, und auch unsere Mitarbeiter sich weiterentwickeln können. Eine positive Bindung zum Unternehmen ist uns wichtig. Hinsichtlich der Dienstpläne möchte ich aber nicht mit Katrin tauschen – bei 35 Leute ist das schon ganz schön anstrengend: Der eine möchte lieber früher anfangen, weil er nachmittags noch zum Yoga geht, der Nächste findet eine Vier-Tage-Woche total öde und möchte lieber sechs Tage arbeiten, wieder ein anderer schläft nach einer Party im Berghain lieber aus und kommt deshalb später zur Arbeit und die Muttis bevorzugen es, lieber den Samstag frei haben – was ja auch total verständlich ist. Da kommt einiges zusammen. Aber letztlich passt es super und jeder ist total zufrieden.

Kakteen in Kombination zu antiken Möbeln und Marsano-Mitarbeiterin beim Blumenbinden
Bei Marsano können die Floristinnen und Floristen ihrer Kreativität freien Lauf lassen

Es sind also so ziemlich alle Altersklassen bei euch vertreten?

Annett: Genau. Die älteste Mitarbeiterin ist 72 und kommt einmal die Woche. Eine sehr stilvolle Frau, die vor drei Jahren von Hamburg nach Berlin gezogen ist und sich etwas zur Rente dazu verdienen möchte. Die hat natürlich ein ganz anderes Know-how als wir jungen Hühner und bereichert den Arbeitsalltag bei Marsano sehr. Und dann gibt es noch eine 67-jährige Mitarbeiterin, die samstags und montags da ist. Mit ihr ist es auch immer lustig… An einem Montag kam sie noch leicht beschwingt zur Arbeit, weil sie bis 5 Uhr in Weißensee Tango tanzen war. Sie ist einfach toll und motivierend für das ganze Team!

Foto zweier Samtstühle in Eisblau und Petrolgrün sowie weißen Blumen
Ausgewählte Vintage-Stücke werden liebevoll aufbereitet und verleihen dem Laden einen besonderen Charme

Marsano ist ja nicht nur ein gewöhnlicher Blumenladen – ihr bietet auch ausgewählte Vintage-Möbel und Wohnaccessoires an. Warum habt ihr euch für dieses Gesamtkonzept entschieden?

Annett: Weil wir Shopaholics sind. Das Problem ist: Ich liebe schöne Sachen! Zuhause gilt die Regel: Wenn ich ein neues Teil auf dem Flohmarkt kaufe, muss etwas anderes dafür weichen – was aber nur selten klappt. Somit habe ich immer ein Teil mehr mitgebracht und noch eins, und noch eins … Tja, so kam es dann, dass sich dieses Konzept nach und nach automatisch entwickelt hat. Wir haben also nicht gezielt darauf hingearbeitet, dass es so wird, wie es jetzt ist. Es war einfach eine gesunde Entwicklung, ohne Investoren oder ähnliches. Und es funktioniert ja bisher ganz gut.

Worauf legt ihr bei der Auswahl eurer Blumen, Möbel und Accessoires Wert und wo holt ihr euch Inspirationen für eure tollen Kreationen?

Annett: Natürlich benutzen wir soziale Medien, wie Instagram oder Pinterest. Für mich ist das aber nichts … Ich gehe morgens zum Beispiel über den Markt und muss immer alles fühlen. Die Haptik spielt für mich eine ganz große Rolle. Ich versuche auch Düfte und Farben zu mischen, um interessante Kombinationen zu erhalten. Und ich finde Mode sehr inspirierend – zum Beispiel versuche ich spannende Looks wie einen Tüllrock, kombiniert mit einer Seidenbluse, nachzubilden. Ebenso dient auch die Architektur als Inspirationsquelle: das Nachbilden der Formen ist spannend und individuell. Gerade geht der Trend in der Floristik jedoch wieder hin zur Natürlichkeit – nämlich, dass es aussieht, wie gerade gepflückt.

Marsano Vintage Laden mit Vintage Möbeln und Accessoires
Die einzigartigen Vintage-Möbel und Accessoires, die Marsano anbietet, stammen aus aller Welt

Wie würdest du deinen eigenen Einrichtungsstil beschreiben? Gibt es dort auch viel Florales?

Annett: Nein, nicht wirklich, aber es wird jetzt immer mehr. Eine Zeit lang hatte ich außer meinem Basilikum nie Pflanzen. Aber vor zehn Jahren waren Grünpflanzen auch noch nicht so in. Das hat sich erst in den letzten drei Jahren wieder zum Positiven entwickelt. Mein Einrichtungsstil … Sehr klassisch, aber trotzdem immer ein Hauch Individualität – mein Bett habe ich beispielsweise selbst entworfen und in einer Schreinerei anfertigen lassen. Und auch alte Möbelstücke haben für mich einen besonderen Stellenwert. Ich liebe einfach die Geschichten, die dahinter verborgen sind.

Was macht für dich einen guten Interior Look aus?

Annett: Genau wie bei der Kreation eines Blumenstraußes ist auch bei der Einrichtung die Haptik, das Taktile ganz wichtig. Ein toller Linoleumboden, ein goldenes Regal – aber dann brauche ich auch ein Samt- oder Leinensofa, sodass ich zwischen den glänzenden, glatten Flächen noch etwas mit Struktur habe. Außerdem muss mittlerweile auch immer etwas Grünes fürs Auge mit dabei sein, einfach zur Beruhigung. Toll ist auch ein gut duftender Lavendel auf dem Balkon: wenn die Balkontür dann offen ist und der Lavendelgeruch den Raum füllt … Ich finde es wichtig, dass alle fünf Sinne angesprochen werden.

Welche ist die derzeitige Trendpflanze?

Annett: Strelitzien sind gerade sehr angesagt. Sie haben diese tollen bläulich-silbernen Blätter wie Oliven und sehen auch außerhalb der Blütezeit cool aus.

Und deine Lieblingspflanze?

Annett: Ich liebe Wicken, weil die nur eine ganz kurze Saison haben. Es ist eine Sommerblume mit einer ganz intensiven Farbe und einem tollen Duft! Aus dem gleichen Grund zählen auch Pfingstrosen zu meinen Lieblingspflanzen – die kurze Blütezeit macht sie einfach sehr besonders. Und Bougainvillea, die durch ihr strahlendes Lila sofort ins Auge stechen.

Blumenangebot im Laden Marsano Berlin
Von klassisch bis extravagant – Das Blumenangebot von Marsano hält für jeden das Richtige bereit

 

Und worauf dürfen wir uns bei Marsano künftig noch freuen?

Annett: Weiterhin auf unser tolles Team und einzigartige Kreationen.

Verschiedene Blumentöpfe, Skulpturen aus Holz und Vintage Möbel
Von unzähligen Blumentöpfen bis hin zu ausgefallenen Accessoire-Highlights

Liebe Annett, vielen Dank für das Gespräch!