Christoph Jung & Kachun To im Interview über mycs

Was passiert hinter den Kulissen von mycs? Wie ist überhaupt die Idee konfigurierbarer Möbel entstanden? Und wie bildet man das perfekte Team? All das beantworten Christoph (CEO von mycs) und Kachun (Managing Director) im Interview.

 

Ihr beide seid „nur” Wahl-Berliner, wo kommt ihr ursprünglich her?

Chris: Ich bin aus der schönsten Stadt der Welt: Hamburg. Und fühle mich nach wie vor sehr eng verbunden mit der Stadt. Ich fahre noch häufig dahin – nicht zuletzt, weil wir auch einen Showroom dort haben.

Kachun: Schön? Ja. Aber die beste Stadt ist Köln! Ich bin bekennender Rheinländer seit ich mit sechs Jahren dorthin kam. Geboren wurde ich allerdings in Hongkong.

Und warum hat es euch nach Berlin verschlagen?
K: Rein aus beruflichen Gründen. Berlin hatte schon eine blühende Gründerszene als wir 2014 hierher kamen. Hier ist die einzige, richtige, internationale Metropole in Deutschland, die die besten Talente aus aller Welt vereint.

C: Ja, Berlin ist für Gründungen aus Kosten- und Talentsicht klar die bessere Alternative – schade für Hamburg …

K: Ich kann aber sagen, dass ich mich hier ebenfalls sehr wohl fühle. Die Berliner sind im Grunde genauso lustig wie Kölner, bloß schlechter gelaunt.

Unternehmensgründer ist man nicht von Geburt an … Was habt ihr vor mycs gemacht?
K: Puh, also … Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe studiert und dabei ein Austauschjahr an der Graduate School of Engineering in Tokyo gemacht. Danach war ich zunächst Consultant bei der McKinsey & Company – wo ich übrigens Chris kennengelernt habe – bevor es mich wieder nach Japan verschlug. Dort habe ich Locondo.jp, das japanische Zalando, mitgegründet. Es ging dann weiter nach China und zwar als COO von iMAIBO, dem Joint Venture der größten Verlagsgruppe Südchinas und Finanzinvestoren aus Hong Kong.

C: Bei mir ist es ähnlich abwechslungsreich: Ich habe erst an der Uni Duisburg-Essen Maschinenbau studiert und dann in Hamburg noch einen Master of Science in Mechatronics und einen MBA in Technology Management gemacht. Wie Kachun schon gesagt hat, war ich dann auch eine Zeit bei McKinsey & Company. Danach wollte ich was “Eigenes” und habe die Massivkonzept GmbH, einen Onlineshop für maßgefertigte Echtholzmöbel, gegründet. Das lief sehr gut, so dass ich nach drei Jahren an das amerikanische Unternehmen fab.com verkaufen und dort noch etwas als Geschäftsführer bleiben konnte.

Gibt es bei diesen vielen Erfahrungen bestimmte Meilensteine oder Erkenntnisse, die ihr mitgenommen habt?
C: Die wichtigste Erkenntnis hatte ich bei Massivkonzept: Kunden lieben Customization! Also die Möglichkeit, Produkte nach ihren Vorstellungen anzupassen. Deswegen möchte ich diese Erkenntnis mit mycs jetzt voll ausleben.

K: Ich glaube, was mich wirklich geprägt hat, war die Erfahrung bei Locondo.jp: Ich war begeistert, wie schnell man in kürzester Zeit etwas aufbauen kann, wenn man fokussiert arbeitet und eine tolle Idee umsetzt. Mir wurde aber auch sehr deutlich vor Augen geführt, wie man nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen sollte. Trotz schnellem Wachstums ist es wichtig, sorgsam mit Mitarbeitern umzugehen und sie zu fördern. Genau diesen Anspruch haben wir auch bei mycs.

Habt ihr einen inspirierenden Unternehmer zum Vorbild?
K: Wunderbare Gestalten, die tolles geleistet haben, gibt es viele. Steve Jobs oder Elon Musk sind natürlich super inspirierend, und sicherlich kann man auch was von ihnen lernen. Ich finde es aber nicht empfehlenswert, ihnen direkt nachzuahmen. Man muss seinen eigenen Weg gehen, der zu einem passt. Bei solchen Vorbildern bekommt man eh nur die vereinfachte, positive Story mit. Letztlich muss man selbst entscheiden, was richtig und was falsch ist.

C: Da kann ich mich Kachun nur anschließen.

Was fasziniert euch so an E-Commerce, dass ihr auch mit mycs wieder dort gelandet seid?
K: Ich möchte einfach etwas Neues schaffen, meine eigenen Vorstellungen verwirklichen, dabei viel Verantwortung tragen, viel gestalten können. Und auch gleichzeitig mit Kreativität einen Mehrwert für den Kunden schaffen. Das geht mit einer Internetgründung am einfachsten.

C: Was mich am E-Commerce so wirklich reizt, ist, dass das Prinzip zwar sehr einfach erscheint – man kauft etwas günstiger ein und verkauft es wieder teurer – aber eigentlich muss man etwas wirklich Innovatives und Besseres schaffen, um in so einem gesättigten Markt erfolgreich zu sein.

Und warum Möbel selbst gestalten? Wie entstand diese Idee?
K: Das war Chris’ Idee. Aber ich habe schon immer Wert auf gute Sachen und Ästhetik gelegt, deswegen konnte er mich schnell überzeugen.

C: Ich war selbst in der Situation, dass ich Möbel gesucht habe, die genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und dennoch nicht zu teuer sind. Das war quasi nicht möglich. Ich wollte dann unbedingt diesen eingestaubten Möbelmarkt aufmischen. Ich bin überzeugt, dass man mit einem konsequenten, modularen Ansatz individuelle Möbel anbieten kann, die einerseits günstiger als Möbel von der Stange und zudem noch sehr schnell lieferbar sind. Und bisher scheint alles zu klappen: Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir Kunden sehen, die mit unserem Konfigurator tolle Möbel bauen und sich selbst verwirklichen.

K: In einem Jahr werden wir alle Haupt-Möbelkategorien mit unserem Konfigurator abgedeckt haben, so dass wir alles aus einer Hand anbieten können.

Zwei Geschäftsführer in einem Unternehmen. Chris, was genau sind deine Aufgaben?
C: Ich bin stark in der Produktentwicklung involviert: das heißt, ich verantworte das Design, die Beschaffungsstrategien, die Lieferkette und stelle sicher, dass unsere Konfiguratoren rechtzeitig so funktionieren, wie sie sollen. Außerdem fallen Produktionsmanagement, Vertrieb und unsere Showrooms in meinen Bereich.

Einblick in den mycs Showroom in Hamburg
Der mycs Showroom im Hamburger Stilwerk fällt in Christophs Aufgabenbereich

Und für was bist du zuständig, Kachun?
K: Ich bin für Marketing, Finanzen, Verwaltung und die Personalentwicklung verantwortlich.

Wie kam es zu dieser Aufgabenteilung?
C: Eine Mischung aus Persönlichkeit und Interessen, würde ich sagen. Kachun ist zum Beispiel sehr detailorientiert, analytisch und plant immer mit viel Vorsicht. Da liegt ihm das genaue Arbeiten mit Zahlen, Daten und so.
K: Ja, ich meine, die ganze Idee mit den Produkten kam von Chris … Da liegt es nahe, dass er sich damit beschäftigt. Er ergänzt mich übrigens ganz gut. Dort, wo ich vielleicht zu vorsichtig bin, ist Chris eher risikofreudig und statt lange zu analysieren, macht er einfach. Eine ausbalancierte Mischung!

Was sind eure wichtigsten Gemeinsamkeiten?
K: Wir sind beide sehr ergebnisorientiert und können gut zusammenarbeiten, weil wir kompromissbereit sind und uns respektieren.
C: Wir haben außerdem dieselbe Arbeitsethik und gleiche Vorstellungen von einer guten Firmenkultur.

Wie sieht denn die perfekte Firmenkultur für euch aus?
K: Die Mitarbeiter sollten gerne zur Arbeit gehen und auch gerne etwas leisten. Wir wollen nicht, dass sie das Gefühl haben, ihre Zeit damit zu vergeuden, arbeiten zu müssen und sich das Wochenende schönfeiern müssen.
C: Dazu ist es nötig, dass sie ihre Freiheiten haben, eigenverantwortlich handeln können und dass wir ihnen die Mittel geben, effizient zu arbeiten.

Ihr dürftet dem Gründer-Klischee zufolge kaum Freizeit haben. Wo sucht ihr euren Ausgleich?
C: Ja, stimmt. Die Arbeit hört eigentlich nie auf, aber ich lege großen Wert auf genug Schlaf um Energie zu schöpfen. Dadurch benötige ich keine längeren Pausen. Meine Traumauszeit wäre allerdings eine Weltreise mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter.
K: Bei mir staut sich Stress auch nicht so richtig auf, weil ich den immer auf der Arbeit raus fluche.
C: Oh ja …
K: Aber ich sperre mich zur Entspannung gerne mal mit meinem Netflix-Account und meiner Playstation ein und schaue Serien oder spiele bis zum Abwinken. Manchmal gehe ich auch laufen um den Kopf frei zu kriegen. Es stimmt allerdings schon: Als Gründer und Unternehmer hat man nie den klassischen Feierabend, man denkt immer ans Unternehmen. Das stört mich persönlich jedoch gar nicht.

Was sind die ultimativen Vorteile, eines Geschäftsführerlebens?
K: Dass man sich trotz viel Arbeit die Zeit besser einteilen kann! Ich bin absolut kein Morgenmensch und finde es daher super, keine Meetings morgens um acht Uhr machen zu müssen. Aber nein, eigentlich ist es das Beste, dass man etwas Eigenes aufbauen kann – das erfüllt mich.
C: Ja, Dinge selbst zu entwickeln, das ist super. Aber auch die kontinuierliche Spannung. Bei jedem Produkt-Launch ist es eine Wette: Wie wird der Markt reagieren? Und eigentlich ist es die größte Erfüllung, wenn dann Kunden kommen, das Produkt lieben und uns sagen: „Auf euch habe ich schon lange gewartet.“

Habt ihr eigentlich selbst mycs Möbel zu Hause?
K: Ja, einen Esstisch, einen TV-Schrank und ein Bücherregal.
C: Bei mir ist quasi die ganze Wohnung ein mycs Showroom – inklusive Küche, Bett und Sofa.

mycs Möbel im Wohnzimmer von Christoph Jung
Regalwand, Couchtisch und Sessel – in Christophs Wohnung befinden sich so einige mycs Möbelstücke

Wie würdet ihr euren Einrichtungsstil beschreiben?
C: Modern und bunt.
K: Bei mir ist es sehr minimalistisch, geradlinig und doch ein wenig „verschnörkelt“.

Habt ihr eigentlich einen Lieblingsdesigner?
K: Eames könnte man zwar immer nennen, aber nein, ich hab keinen bestimmten.
C: Doch, Paul Schöneburg. Ein toller Designer, der unsere neuen Kollektionen mit viel Liebe zum Detail entwirft.

Und ein Lieblingsmöbelstück?
C: Ganz generell: Alles, was bequem und weich ist. Ich bin zum Beispiel ein großer Ohrensessel-Fan. Speziell bei mir zu Hause liebe ich aber meine Couch-Landschaft, die mir oft als Bett und meiner Tochter als Hüpfburg dient.
K: Ich finde den Esstisch ganz, ganz wichtig, weil sich da Leute treffen – er also Menschen zusammenbringt.