Moderne Altbauwohnung im Stuttgarter Heusteigviertel

Architekturstudentin Tara Hariri hat uns in ihre Stuttgarter Altbauwohnung eingeladen und mit uns über Einrichtungsstimmungen, ihre Leidenschaft fürs Kochen und unvergessliche Reisen gesprochen.

Das Heusteigviertel ist ein Gebiet im Süden der Stuttgarter Innenstadt – mit Gründerzeithäusern, kleinen Restaurants und gemütlichen Cafés. Hier wohnt Tara (Instagram: @officialtariri), die gerade ihren Master in Architektur und Stadtplanung macht, seit zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Freund Dimar. Wir haben sie in ihrer Altbauwohnung besucht.

Tara, was gefällt dir an Stuttgart?

Tara: Es gibt hier viele kreative Köpfe, die das Stadtbild andauernd neu definieren. Als ich damals beispielsweise am Marienplatz gewohnt habe, war er noch grau und unbelebt. Jetzt muss man sich sonntags nicht einmal verabreden, denn dort trifft man immer auf bekannte Gesichter. Für mich kommt noch hinzu, dass ich die Lage sehr schätze … Man ist schnell in der Schweiz oder in Italien, der Flughafen ist super nah und man hat wirklich einige Sonnentage mehr im Jahr. Stuttgart ist mir über die letzten sechs Jahre einfach richtig ans Herz gewachsen!

Taras Wohnzimmer mit Bücherregal, Fahrrad und grauer Couch
Tara liebt es klassisch-modern: Neben bunten Büchern setzen ausgewählte Accessoires dezente Akzente

Hast du einen Lieblingsort in Stuttgart, den du keinem Besucher vorenthalten magst?

Tara: Ein Lieblingsort für mich ist und bleibt das Teehaus. Von dort hat man einen wunderschönen Panoramablick über die Stadt. Hochwandern, Tee trinken, Fotos vom Marmorsaal knipsen … the usual.

In deinen Instastories sieht man häufiger, wie du viel Zeit mit einer Flüchtlingsfamilie verbringst. Wie bist du auf diese Familie gekommen und was schätzt du besonders an den Momenten mit ihnen?

Tara: Ich habe im Rahmen meiner Fotodokumentation Unorte|Mitmenschen fünf verschiedene Flüchtlingsunterkünfte fotografiert. Für mich war es ein großes Privileg, mir ein eigenes und kein medial verbreitetes Bild über die Menschen und deren Lage machen zu können, vor allem, da ich keine Sprachbarriere hatte – meine Eltern sind beide Iraner. Die provisorische Architektur dieser Unorte in Kombination mit den Menschen und deren Geschichten sind für mich unglaublich prägend gewesen. Eine der Unterkünfte, die ich besucht habe, war das Bürgerhospital in Stuttgart. Es wurde zu einer Flüchtlingsunterkunft umgewandelt, daher wurden OP-Säle zu Wohnräumen und Medizinlager zu kleinen Kosmetikstudios umfunktioniert. Dort habe ich damals an die Tür von Nazanin geklopft, sie öffnete und damit hat eigentlich alles begonnen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich in dem kleinen Zimmer saß und schwarzen Tee getrunken habe. Nazanin saß mir gegenüber und hat mir über die Reise mit ihrer siebenköpfigen Familie von Herat, Afghanistan bis Stuttgart erzählt. Seit diesem Tag sind wir Freunde und haben alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchgestanden.
In meinen Stories sind meistens die Kinder zu sehen. Ich besuche sie regelmäßig und wir spielen „Ich packe meinen Koffer“ oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Diese Kinder haben schon so viel durchgemacht und Leid gesehen, doch immer, wenn wir reden oder spielen, sind sie voller Visionen und Hoffnung. Sie lieben es, in die Schule gehen zu dürfen (jaa, Schule ist nicht selbstverständlich) und sind so gut, dass sie jetzt sogar zusätzlich Englisch lernen.

Was hast du durch diese Begegnung fürs Leben gelernt?

Tara: Was ich aus dieser Begegnung mitnehme … Ihre Einstellung zum Leben und die Art und Weise, wie sie mit anderen Menschen umgehen. Und auch, dass viele Dinge, die für mich selbstverständlich sind, von ihnen neu und mit voller Begeisterung erfahren werden. Sei es ein Frauenarztbesuch oder Händchenhalten in der Öffentlichkeit. Ich zeige sie regelmäßig, da ich die Menschen daran erinnern möchte, immer mit einem offenen Herzen und einem offenen Geist durch diese Welt zu gehen. Sie sind wie Familie für mich geworden.

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Tara: Hochwertig und klassisch. Ich mag hochwertige Materialien und Designklassiker. Wenn ich in ein Möbelstück investiere, dann sollte es vor allem zeitlos sein. Hin und wieder wechselt meine Einrichtungsstimmung: Mal mag ich es bunt und verspielt, mal gibt es Phasen, in denen alles clean wirken soll, und mal möchte ich einen Dschungel aus Pflanzen in meinem Wohnzimmer. Die Möbel sollten daher eine harmonische Basis für meine Spielereien bieten.

Esstisch NORDYC von MYCS in Kombination mit einem Orientteppich und modernem Sideboard
„Wenn ich in ein Möbelstück investiere, dann sollte es vor allem zeitlos sein“

Wie bist du auf MYCS aufmerksam geworden?

Tara: Auf MYCS bin ich durch das Internet aufmerksam geworden. Nachdem wir einige Varianten im Online-Konfigurator versucht haben, fiel die Entscheidung schließlich auf den NORDYC Tisch in Eiche mit einer 220×90 cm großen Tischplatte. Ich mochte das Verhältnis der Breite zur Überlänge und war mehr als überrascht über die Qualität und die Wirkung in unserem Wohnzimmer. Der MYCS Tisch war das erste gemeinsame Möbelstück in unserer Wohnung! Da ich unglaublich gerne koche und wir oft Familie und Freunde zu Besuch haben, hatte ich klare Vorstellungen, wie der Esstisch zu sein hat. Silvester, Geburtstage, Mädelsabende … In den zwei Jahren hat er schon viel mit uns durchgemacht!

Und in welches Möbelstück wirst du als nächstes investieren?

Tara: In einen Couchtisch!

Etwas, das uns interessiert, seitdem wir das Foto von deinem Wohnzimmer auf Instagram entdeckt haben: Was hat es mit dem riesigen Eisbären in deiner Wohnung auf sich?

Tara: Das ist unser Mitbewohner Mischa. Mein Freund Dimar war damals auf dem Weg von Hamburg nach Stuttgart und meinte zu mir am Telefon, dass noch jemand mitkommt und bei uns übernachten wird. Ich dachte natürlich an einen Bekannten und habe wie eine Verrückte die Wohnung aufgeräumt … Er kam dann die Treppe mit diesem riesigen Eisbären hoch und so wurde Mischa unser Mitbewohner. Er schaut zwar immer ein bisschen grumpy, ist aber super zugänglich und kuschelig. Ein richtiger Bär eben.

Natürlich grüne Tischdekoration
Statt eines Blumenstraußes dekoriert Tara ihren Esstisch lieber mit großen Pflanzenblättern in minimalistischen Vasen

Du reist viel und hast schon einige Städte und Länder besucht. Welcher Ort ist dir besonders im Gedächtnis geblieben aufgrund seiner architektonischen Besonderheit?

Tara: Spontan fällt mir das Salk Institute in San Diego vom Architekten Louis Kahn ein: unglaubliche Atmosphäre und wunderbare Architektur! Ich saß damals stundenlang mit meinem Cousin dort und habe aufs Meer geschaut. Aber auch die Travertin Terrassen in Badab-e Surt im Nordiran waren für mich ein prägendes Erlebnis. Dort habe ich ein wunderschönes Bild von meiner Oma geschossen … Diese Reise werde ich nie vergessen.

Wo bist du auf wirklich tolle Designelemente gestoßen?

Tara: Meine Cousinen finden es immer schrecklich amüsant, wenn ich aus Deutschland in den Iran reise und gerne Zeit auf dem Bazaar verbringe. Sie wollen natürlich, dass ich Designelemente aus Deutschland mitbringe und ich fülle meine Koffer immer mit Gewürzen, Schalen und Keramik aus dem Iran. Auch unseren Teppich habe ich auf meiner letzten Reise im Iran gekauft.
Ich suche nie gezielt und lasse mich immer von der Atmosphäre, der Architektur, den Menschen und dem Essen leiten. Dabei habe ich schon schöne Design Pieces gefunden.

Schwarz Weiß Bild einer nordiranischen Berglandschaft und Rückansicht von Taras Großmutter
Taras Großmutter in Badab-e Surt, Nordiran

Du bist leidenschaftliche Köchin und lässt dich gerne von den Rezepten Yotam Ottolenghis inspirieren. Welche ist deine liebste Zutat, die jedes Gericht zu etwas Besonderem macht?

Tara: In meiner Küche dürfen frische Kräuter, Knoblauch, Limetten, Chillies und sehr gutes hochwertiges Olivenöl nie fehlen. Besondere Gewürze sind für mich Sumach, Golpar, Safran und Harissa!

Blick in Taras Kueche: Arbeitsplatte aus Holz, weiße Küchenschränke, frische Kräuter

Gwürzgläser mit Beschriftung
Frische Kräuter, unzählige Gewürze und eine große Arbeitsfläche: Taras Küche spiegelt ihre Leidenschaft für gutes Essen wider

Was ist dein Lieblingsgericht für den Herbst?

Tara: Ein Mungobohnen-Salat! Ich kenne Mungobohnen aus der iranischen Küche. Mit den wärmenden Gewürzen und den karamellisierten Möhren und Zwiebeln eignet sich dieser Salat perfekt für gemütliche Herbsttage.

Schüssel mit Mungobohnen-Salat, Schneidebrett und frischen Zutaten

Zutaten (4 Pers.):

150 g getrocknete grüne Mungobohnen
2 Knoblauchzehen
60 ml Olivenöl, plus mehr zum Beträufeln
1 TL Chiliflocken
1 TL Kümmel gemahlen
1 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL Fenchelsamen
4 große Möhren, geschält, gedrittelt und in Stifte geschnitten
1 große Zwiebel
5-6 Radieschen
1 TL Zucker
1 Bund Koriandergrün, gezupft
2 Bio Zitronen
100 g Feta, in Stücke gebrochen
Salz, Pfeffer, Zucker

Zubereitung:

Den Backofen auf 200°C vorheizen.

Die Möhren auf dem Backblech verteilen und mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker bestreuen. Sie benötigen ca. 30 Minuten bis sie durchgebacken und karamellisiert sind.

Die Mungobohnen 20-25 Minuten garen. Sie sollten auf jeden Fall ein wenig Biss haben. Etwa 3 Minuten vor Ende der Garzeit in einer kleinen Pfanne 3 EL Olivenöl erhitzen. Kreuzkümmel, Kümmel und Fenchel hineingeben und bei mittlerer Temperatur die Samen rösten.

In einer Schüssel 2 Knoblauchzehen, den Saft einer Zitrone, die Chiliflocken, das restliche Öl und 1/2 TL Salz vorbereiten. Die noch warmen Mungobohnen untermengen und etwas abkühlen lassen.

1 große Zwiebel schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. In einer Pfanne mit etwas Öl, Salz und Zucker ca. 10 Minuten lang karamellisieren.

Die Möhren aus dem Ofen nehmen, mit dem Koriandergrün, den Zwiebeln und Radieschen zu den Mungobohnen geben und vorsichtig unterheben. Am Ende noch eine filetierte, in Stücke geschnittene Zitrone hinzugeben, auf einer Platte anrichten und mit dem Feta, etwas Koriander und Pfeffer abrunden.

Na dann, guten Appetit! Und dir liebe Tara, vielen Dank für das Gespräch!