“Wir stellen den Kunden die richtigen Fragen”

Warum ist ein Schlafzimmer kompliziert zu möblieren? Und wo sollte man bei einem Einrichtungsprojekt idealerweise anfangen? Unsere Kollegin Joy berichtet aus ihrem spannenden Alltag als Interior Designerin und von den Herausforderungen, die gute Raumplanung oft mit sich bringt.

Wer wendet sich denn an euch als Interior-Designer-Team?

Ich habe das Gefühl, dass es oft Paare sind, die gerade umgezogen sind. Sie kommen besonders häufig, wenn ein größeres Projekt ansteht, z.b. ein ganzes Haus einzurichten oder eine neue Wohnung. Oder es sind Leute, die eine Komplettrenovierung vorhaben. Daneben gibt es aber immer auch Kunden mit Einzelprodukten, bei denen noch ein bisschen Unsicherheiten bestehen.

Einigen sich die Paare dann hier bei euch im Showroom oder gehen sie erst nochmal nach Hause, um zu überlegen?

Kommt immer auf die Dynamik an – ob noch Kompromisse geschlossen werden müssen.
Und wie leidenschaftlich beide an dem Projekt beteiligt sind oder wie wichtig der jeweiligen Person das eigene Zuhause ist. Bei manchen geht es eher um Funktionalität, anderen geht es mehr um die Optik. Die einen müssen noch mal darüber schlafen, andere hingegen wollen es sofort festmachen und sind total froh, wenn sie das von ihrer Liste abhaken können.

Stimmt das Klischee, dass in der Regel Frauen mehr Interesse an Einrichtungsfragen haben als Männer?

Wenn es um Möbel der Männer geht, z.B. für das Büro einen Schrank oder einen Schreibtisch – da sind die Männer oft leidenschaftlich mit dabei. Auch bei der Couch – weil das ein Möbel ist, das meistens von beiden benutzt wird.
Frauen haben oft eine starke Meinung und sagen: Das will ich nicht. Ich glaube Frauen haben oft ein klareres Bild von dem, was Sie möchten. Am Ende geht’s darum herauszufinden, was beide möchten.

Gibt es bestimmte Elemente bei der Konfiguration, bei denen die Kunden mehrheitlich unschlüssig sind?

Beratung wird viel nachgefragt bei der Gestaltung und Aufteilung von Regalen oder Boards, die sowohl offen als auch geschlossen sind und wo eine gewisse Balance wichtig ist, die aber gleichzeitig auch funktional sein sollen.
Viel Unterstützung oder Zuspruch wird von uns dazu benötigt, sich ein bisschen was zu trauen – gerade auch bei Farben. Viele wünschen sich etwas mehr Farbe, weil das Individualität ausdrückt und Persönlichkeit. Die vielen Möglichkeiten, die wir bieten, bergen manchmal auch ein bisschen die Gefahr von Unsicherheiten. Da kommen wir Designer dann wieder ins Spiel. Wir wissen, an welcher Stelle bestimmte Farbakzente gut aussehen oder wir haben eine Idee, die die Kunden vorher noch nicht hatten. Außerdem haben wir schon so viele Regale designt, dass wir auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen können.

Wie sind deine Erfahrungen in Sachen INTERYOR Service? Gibt es Räume, die besonders häufig nachgefragt werden?

Die Gestaltung des Wohnzimmers natürlich. Aber auch das Schlafzimmer scheint ein Raum zu sein, der nicht einfach zu gestalten ist. Hier besteht die Schwierigkeit darin, dass der Raum sowohl schön als auch funktional sein soll, sich die meisten Leute aber außer zum Schlafen kaum darin aufhalten. Auch die Unterbringung der Kleidung z.B. soll meist sehr funktional erfolgen. Es sind also viele unterschiedliche Anforderungen, die innerhalb eines Raumes erfüllt werden sollen.
Außerdem oftmals der Flur – bei den meisten ist er ja ziemlich schmal. Auch hier müssen Dinge verstaut werden – es soll andererseits aber auch nicht so vollgestopft aussehen. Das sind so die Top-3-Räume.

Die Kunden des INTERYOR Service können ja auch Fotos von ihren Räumen schicken. Erkennst du da einen Trend hin zu einem bestimmten Stil oder geht das querbeet?

Ich hatte einige Kunden, die hatten wirklich sehr farbenfrohe Wohnungen, mit sehr viel weiß, aber auch gelb und rot à la Mondrian oder Bauhaus. Genauso aber auch Einfamilienhäuser – oft sehr zeitgenössisch eingerichtet, im Hygge-Stil z.B. – mit eher neutralen Weiß- und Beigetönen.

Wo wohnen die INTERYOR Service-Kunden? Eher in Wohnungen oder in Häusern?

Das kommt hauptsächlich auf die Altersgruppe an. Wir haben von Studenten bis hin zu Senioren eigentlich jedes Alter dabei. Das heißt, dass Leute, die jetzt in ein Haus ziehen, sich eher langfristig einrichten wollen. Sie legen darum auch besonders viel Wert auf gute Qualität.

Gibt es einen grundlegenden Tipp, den man als Interior Designer geben kann? Wo sollte man am besten anfangen?

Lustigerweise renoviere ich auch gerade mein Wohnzimmer. Bei mir und auch generell stellt sich zuerst die Frage: Welche Möbel behalte ich und welche sortiere ich aus? Man prüft also quasi den aktuellen Bestand. Und guckt auch: Wie sehen die Farben aus, mit denen ich wohne? Dann sollte man sich fragen, in welche Richtung das Ganze gehen soll. In welchem Stil möchte ich zukünftig wohnen – eher klassisch, eher modern etc.? Das ist eine wichtige Voraussetzung: sich ein grobes Konzept zu überlegen. Auch sehr wichtig ist es, sich klar zu machen, wie man den Raum tatsächlich nutzt. Also: Wie sehen meine alltäglichen Nutzungsgewohnheiten eigentlich aus?

Nehmen wir etwa einen Tisch. Da fragt man sich zunächst: Was wird an diesem Tisch eigentlich meistens gemacht? Malen da z.B. die Kinder? Dann sollte man die Malsachen im Regal nebenan aufbewahren und nicht hinten im Kinderzimmer. Wenn ich jetzt aber sage: Ich esse nur auf meiner Couch, dann braucht man vielleicht keinen Esstisch, der 1,80 m lang ist. Oder bin ich jemand, der sehr gerne an einem großen Tisch arbeitet – dann nehme ich mir eine Ansteckplatte für den Tisch dazu.

Das heißt dann auch: Man muss mit sich selber sehr ehrlich sein und muss sich seine Lebensgewohnheiten auch ganz klar vor Augen führen, oder?

Absolut. Ich denke, es ist auch wichtig, sich selber mal eine Zeit lang zu beobachten: Wie man sich in seinem eigenen Zuhause verhält, was man sich wünscht … Dann kann man seine zukünftigen Möbel auch perfekt an das eigene Verhalten anpassen.
Man will ja etwas Neues, weil da irgendwo eine Reibung ist. Sei es eine funktionelle oder eine optische. Die Frage ist also: Was brauche ich eigentlich? Und es ist dann auch unsere Aufgabe, das zusammen mit dem Kunden herauszufinden, gute Fragen zu stellen … Ich glaube, in dem Sinne können wir eine gute Unterstützung sein, weil wir wissen, worauf es ankommt.

Sehr interessant, dass du den Punkt “Reibung” ansprichst. Ich glaube, an so etwas denken viele gar nicht beim Thema Einrichten … Das heißt, neben Ästhetik und Design ist auch Funktionalität im Sinne von “Lebensabläufen” wichtig. Gibt es sonst noch etwas, dass dir in deinem Designer-Alltag immer wieder begegnet?

Ja, tatsächlich. Eine Sache möchte ich sehr gern noch erwähnen: das Thema Vorbereitung. Denn das, was man da angeht, ist wirklich ein Projekt und das sollte man nicht unterschätzen. Eine sehr gute Grundlage ist unser Fragebogen, weil er die Kunden quasi dazu “zwingt”, sich mit bestimmten Aspekten auseinanderzusetzen. Da wird z.B. auch nach Grundrissen gefragt und somit machen sich unsere Kunden automatisch Gedanken über die Dimensionen der Möbel. Also wie groß z.B. kann mein Sofa überhaupt sein? Generell ist eine gute Vorbereitung einfach der Schlüssel dazu, dass so ein Projekt auch gut läuft. Am Ende ärgert man sich ja selber, wenn man etwas bestellt und dann merkt, dass man nicht richtig nachgemessen hat.

Da passt dann auch wieder, was du vorhin erwähnt hast: Die bestehenden Möbel nicht außer Acht zu lassen …

Genau. Und das ist auch der Vorteil des INTERYOR Service: dass wir dem Kunden verschiedene Vorschläge machen können – auch zu Optionen, auf die er sonst vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Jetzt haben wir schon viel über Interior Design gesprochen – gib uns doch vielleicht noch ein paar kleine Einblicke in deine Persönlichkeit als Interior Designerin. Los geht’s: Was würde dir persönlich niemals in die Wohnung kommen?

Sorry, aber auch wenn ich manchen vor den Kopf stoße: ein Fernseher. Allerhöchsten ein Beamer …

Was ist dein Must-Have Accessoire?

Ich liiiiebe Pflanzen!

Schnittblumen oder Topfpflanzen?

Topfpflanzen – man hat einfach länger was davon. Aber ich freu mich auch mal über einen Blumenstrauß.

Wenn du es dir aussuchen könntest: Wo würdest du am liebsten leben?

Estland, da habe ich auch schon mal gelebt und eine echte Liebe zum Land entwickelt.

Welchen Beruf hättest du, wenn du nicht Interior Designerin geworden wärst?

Webdesignerin.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Aus der Kunst. Und aus der Natur, besonders was Texturen und Farben angeht. Aber auch aus tollen Interior-Design-Projekten, wenn ich das Gefühl habe: das spricht zu mir.

Was ist deine Lieblingsjahreszeit?

Ich liebe den späten Frühling und den Spätsommer.

Hast du einen Lieblingsplatz in deiner Wohnung?

Ich halte mich in unserem Haus am meisten in unserer Wohnküche auf.

Du wohnst in einer WG in einem Haus?

Ja, unkonventionell, aber das hat sich so ergeben.

Also Haus im Grünen?

Auf jeden Fall. Seit ich da wohne, kann ich mir nicht mehr vorstellen, in die Stadt zu ziehen.

Letzte Frage: Hund oder Katze?

Hund!


Liebe Joy, herzlichen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast.
Alle, die Joys Rat und Expertise gerne für ihr eigenes Einrichtungsprojekt hätten, buchen am besten gleich einen Termin bei unserem INTERYOR Service.