Skandinavisches Design – ein zeitloser Stil

Viel Holz, klare Linien, helle Farben – das entspannte, moderne Design ist es, was wir an skandinavischer Inneneinrichtung lieben. Kaum zu glauben, dass dieser Stil fast 80 Jahre alt ist!

Was ist das Besondere am skandinavischen Möbeldesign?

Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland eint vor allem eins: sie sind schlicht und geradlinig. Vermutlich treffen sie heute deshalb noch unseren Geschmack, weil sie auf modische Auffälligkeiten verzichten. Und noch etwas charakterisiert nordische Möbel: Sie sind praktisch. Ob das skandinavische Sofa mit Schlaffunktion oder der modular veränderbare dänische Stuhl: Nah am Prinzip „form follows function“ stehen die Menschen und ihre Bedürfnisse – nicht die Ästhetik – im Mittelpunkt.

Welche Elemente finden sich in der skandinavischen Raumgestaltung?

Sowohl Möbel als auch Dekorationsgegenstände im skandinavischen Design greifen häufig auf Naturmaterialien zurück. Dabei spielen helles Holz – oft auch in Form gepresst – Baumwolle und Leinen sowie Glas und Porzellan eine große Rolle. Weniger nachhaltige Materialien wie Aluminium und Plastik prägten vor allem die Anfangszeit der skandinavischen Moderne.

Die Natur inspiriert die nordeuropäischen Designer. Mit Pflanzenmustern bedruckte Stoffe, organisch geformte Möbel und Deko-Elemente, die an Seenlandschaften oder Blätter erinnern, zeugen davon.

Collage mit Kissen im Printmuster und Pflanzen
Viele Pflanzen und organische Formen prägen eine typisch skandinavische Einrichtung

Warum wohnen die Skandinavier wie sie wohnen?

Die Wurzeln der nordeuropäischen Inneneinrichtung liegen in Skandinavien selbst. Man nehme Länder, in denen es im Jahresverlauf nur sehr kurz, dafür sehr intensiv hell ist, ansonsten ist die Welt dunkel und das Klima rau. Dazu kommt eine stark durch Agrarwirtschaft geprägte Bevölkerung. In solchen Ländern sind die Bewohner sowohl pragmatisch als auch ihren eigenen vier Wänden sehr verbunden. Wer den Großteil seines Lebens drinnen verbringt, möchte sein Zuhause selbstverständlich so schön es geht einrichten. Was also tun? Man hole sich das geliebte Licht durch freundliche Farben, und die üppigen Wälder mit viel Holz ins Haus. Den harten Alltag vereinfachen praktische Möbel in einer aufgeräumten, schlicht eingerichteten Umgebung.

Rote Holzwand eines skandinavischen Hauses mit weißem Fenster
Die Skandinavier verbringen den größten Teil des Jahres in ihren vier Wänden – kein Wunder, dass ihnen Inneneinrichtung so wichtig ist

Wie entwickelte sich das skandinavische Design?

Weltweite Bekanntheit erlangte das skandinavische Design in den 1950er Jahren, als nicht zuletzt IKEA die typischen Möbel mit preisgünstiger Massenproduktion vermarktete. Der von 1951 bis 1970 verliehene Lunning-Preis tat sein Übriges. Er wurde eigens von Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland dafür ausgelobt, nordische Designer zu motivieren, das skandinavische Profil zu schärfen und seine Popularität in der Welt zu stärken. Offensichtlich mit Erfolg!
Ihren eigentlichen Anfang nahm die Stilrichtung jedoch schon viel früher. Den berühmten „PH“-Lampenschirm beispielsweise, der angeblich in so gut wie jedem dänischen Haushalt zu finden ist, entwickelte Poul Hennigsen bereits 1927.
Die Voraussetzungen, dass sich das von uns noch heute geliebte Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickeln konnte, lagen fernab der Kreativszene, nämlich zum einen in der Industrie, zum anderen in der Politik. Wie auch bei anderen Stilrichtungen der Moderne fanden die skandinavischen Designer, dass schöne und funktionale Gegenstände allen, nicht nur einer Elite, zugänglich sein sollten. Neue industrielle Möglichkeiten zur Massenherstellung und die wachsende Verfügbarkeit kostengünstiger Materialien ermöglichten diesen Traum: Die Käufer konnten Möbel und andere Einrichtungsgegenstände so billig erstehen wie nie zuvor. Die Sozialdemokraten, die seit der Jahrhundertwende im Norden Europas großen Einfluss hatten, begrüßten und unterstützten diese demokratischen Design-Ideale. Anders als in Deutschland, wo die Nationalsozialisten die Ideen der Moderne (wie zum Beispiel die des Bauhaus) unterdrückten, konnte sich der bewusst reduzierte Stil in Skandinavien frei entfalten.

Skandinavisches Design wurde schnell zum weltweiten Erfolg. Dank internationaler Einflüsse entstanden inspirierende Hybride wie Japanordic

Wer prägte den Scandi Look?

Garantiert seid ihr schon mal über einen Entwurf der beiden sogenannten Urväter der skandinavischen Moderne gestolpert – oder habt in einem gesessen. Der Finne Alvar Aalto stellte 1931 ‚Paimio‘ vor, einen Sessel wie er uns so ähnlich noch heute als Bestseller in der großen, gelb-blauen schwedischen Möbelkette begegnet. Dieser Living-Klassiker gelang Aalto, als er mit dampfgebogenem Birkenschichtholz experimentierte. Eine ebenso wegweisende Sitzgelegenheit schuf der Däne Arne Jacobsen 1958 mit seinem ‚Egg Chair‘. Doch die Liste talentierter skandinavischer Designer ist lang und dank vieler junger Talente dürfen wir uns auch künftig auf neue Ideen für schönes Wohnen mit nordischem Flair freuen.

Egg Chair, PH-Lamp, Piamiö
Egg Chair, PH-Lamp, Piamiö – Meilensteine der skandinavischen Designgeschichte

Darum lieben wir den skandinavischen Einrichtungsstil!

Die schlichte Schönheit skandinavischer Möbel hat einen unschlagbaren Vorteil: Sie lässt sich mit vielen verschiedenen Stilen – von Vintage bis Industrial – kombinieren und wird dadurch nie langweilig. Richtig zeitlos eben! Vielleicht gründet unsere moderne Liebe zum skandinavischen Design aber auch in unserer Gesellschaft … Oft sehnen wir uns in der immer komplexer scheinenden Welt nach Einfachheit. Und genau diese finden wir in den klaren Formen und praktischen Funktionen nordeuropäischer Möbel sowie Dekoration wieder. Für alle, die den Stil genauso lieben wie wir, haben wir inspirierende Möbel im skandinavischen Design zusammengestellt.

Zeitlos: Dezente Grau- und Weißtöne gepaart mit auffälligen Accessoires prägen den modernen Scandi Look